Der Arbeitskreis Unternehmensstiftungen gibt "Zehn Empfehlungen für gemeinnützige Unternehmensstiftungen". Leiter Dr. Ekkehard Winter über die wichtige Entfernung der CSR zum Kerngeschäft, die positive Wirkung und die nötige Langfristigkeit.
Foto: Dr. Ekkehard Winter, Arbeitskreisleiter Unternehmensstiftungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen ©Deutsche Telekom AG
DTAG: Was hat den Bundesverband Deutscher Stiftungen 2010 dazu veranlasst, den Arbeitskreis Unternehmensstiftungen ins Leben zu rufen?
Dr. Ekkehard Winter: Unternehmensstiftungen sind in der Regel sehr große Stiftungen, wie zum Beispiel die Deutsche Bank Stiftung, die Siemens Stiftung oder die Deutsche Telekom Stiftung. Hier stellen Unternehmen das Stiftungsvermögen und gegebenenfalls Mittel für den laufenden Betrieb bereit. Dieses Segment erfreut sich eines stetigen Wachstums. Mit der Gründung des Arbeitskreises sollen gemeinnützige Unternehmensstiftungen nun eine besondere Aufmerksamkeit erhalten.
Worin sehen Sie die wichtigsten Aufgaben des neuen Gremiums?
Dr. Winter: Bei aller Unterschiedlichkeit sollten Unternehmensstiftungen gemeinsam eine Art Corporate Identity entwickeln. Hierzu ist es wichtig, dass sie für sich typische Charakteristika lokalisieren, Erfahrungen austauschen und sich auf gemeinsame Themen und Eckpunkte einigen.
Der Arbeitskreis hat – quasi als erste Amtshandlung – zehn Empfehlungen ausgearbeitet. War es für die Beteiligten schwierig, sich darauf zu einigen?
Dr. Winter: Unsere Empfehlungen sind ein erster wichtiger Schritt, um eine Corporate Identity auf den Weg zu bringen. Wir haben sie mit den größten und bekanntesten Unternehmensstiftungen ausgearbeitet und uns sehr schnell auf die wichtigsten Eckpunkte einigen können, an denen wir jetzt weiterarbeiten.
Gibt es schon eine erste Resonanz darauf?
Dr. Winter: Das bisherige Feedback ist sehr positiv für uns. Es wird als sehr gute Voraussetzung für die künftige Arbeit des Arbeitskreises angesehen, dass wir bereits mit einem Grundkonsens, wie er in den Empfehlungen niedergelegt ist, starten.
Bevor wir näher auf die Empfehlungen eingehen: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Argumente dafür, eine Unternehmensstiftung zu gründen?
Dr. Winter: Auf jeden Fall ein positiver Imagetransfer – zumal Corporate Reputation für Unternehmen immer wichtiger wird. Unternehmensstiftungen eignen sich hierzu besonders, denn sie sind als Instrument der Corporate Social Responsibility (CSR) am weitesten vom eigentlichen
Kerngeschäft eines Unternehmens entfernt. Hinzu kommt, dass das gute Image einer Unternehmensstiftung positiv auf die Einstellung der Mitarbeiter zu ihrem Unternehmen wirkt. Das Gleiche gilt für das Corporate Volunteering, wo die Mitarbeiter sich – unter Mitwirkung und Förderung der Stiftung – für gemeinnützige Zwecke engagieren. Es entstehen zudem neue Netzwerke, die ein Unternehmen so alleine nicht hätte.
Welche Ihrer Empfehlungen sind besonders wichtig für den Erfolg von Unternehmensstiftungen?
Dr. Winter: Durch alle Empfehlungen zieht sich das wichtige Thema der Unabhängigkeit. Dazu zählt, dass eine Unternehmensstiftung mit einem Vermögen dotiert sein sollte. Denn das dokumentiert, dass ein Unternehmen sich langfristig engagieren will. Die Stiftung hat so mehr Planungssicherheit.
Warum ist es so wichtig, dass eine Stiftung unabhängig ist vom Unternehmen und nicht als verlängerte CSR-Abteilung betrachtet wird?
Dr. Winter: Große Unternehmen engagieren sich schon immer gesellschaftlich und werden dies auch weiterhin in vielen Bereichen tun, auch jenseits der Stiftungsarbeit. Dieses Engagement ist aber meistens punktuell und mittelfristig angelegt. Will man als Unternehmen wirklich ernsthaft und langfristig an gesellschaftlichen Fragen arbeiten – dann bietet sich das Instrument der Stiftung besonders an.
Wie stark darf das Unternehmen denn trotzdem eingebunden sein?
Dr. Winter: Es ist natürlich wichtig, dass das stiftende Unternehmen in die Leitung und strategische Orientierung der Unternehmensstiftung einbezogen wird. Nur darf es nicht ständig in die Stiftungsarbeit reinreden. Das bedeutet, man benötigt Strukturen, die eine ausgewogene gegenseitige Kontrolle garantieren. In den leitenden Gremien der Stiftung sollten somit nicht nur Vertreter des Unternehmens sitzen, sondern auch Externe. Das hilft, den Blick der Gremien mit externem Sachverstand zu weiten. Zudem sollte es eine starke Geschäftsführung mit operativen Gestaltungsmöglichkeiten geben.
Setzt sich das Unternehmen dann nicht letztendlich immer durch?
Dr. Winter: Wenn man starke Persönlichkeiten in die Gremien beruft, gewinnt man dadurch auch eine sehr gute Reputation nach außen. Diese starken Persönlichkeiten lassen sich aber nicht dominieren, sondern wollen mitsprechen. Das Unternehmen bringt in diesem Fall – so wie alle andere Gremienmitglieder auch – seine Sichtweise ein. Dies ermöglicht einen sehr konstruktiven Aushandlungsprozess. Zudem, so meine Erfahrung, nehmen die Unternehmen die Argumente und Erfahrungen der Externen in der Regel sehr interessiert auf.
Eine Ihrer zentralen Forderungen lautet: Unternehmensstiftungen sollten auch unternehmerisch denken und agieren. Warum?
Dr. Winter: Sie stehen unter einem hohen Professionalitätsdruck – auch, weil die Manager aus den Unternehmen Professionalität gewohnt sind und einfordern. Das heißt, es wird genau hingesehen, wie die Stiftung agiert und ob sie vorbildlich zugunsten einer weiteren Professionalisierung des Stiftungssektors wirkt. Das bezieht sich auf die Aspekte: Wie risikobereit ist die Stiftung? Ist sie bereit, Neuland zu betreten? Merkt man der Stiftungsarbeit an, dass ein Unternehmen dahintersteht? Diese wichtige Thematik wollen wir in den Arbeitskreissitzungen vertiefen.
Heißt unternehmerisch agieren auch gewinnbringend agieren?
Dr. Winter: Gemeint ist, mit unternehmerischem Denken gemeinnützig zu handeln. Sprich: Auf eine effektive Wirkung zu achten, aber nicht zugunsten einer Profitmaximierung, sondern einer Maximierung von gesellschaftlichem Nutzen. Zudem geht es um Fragen der Messbarkeit des Nutzens sowie darum, Personal zu finden, das mit der Welt des unternehmerischen Denkens ebenso vertraut ist wie mit der der Stiftungen.
Ist es sinnvoll, bei der Mitarbeiterrekrutierung auf Personal des Unternehmens zurückzugreifen oder gefährdet das die Selbstständigkeit der Stiftung?
Dr. Winter: Man kann durchaus Personal aus dem Unternehmen rekrutieren, wenn es vom Stellenprofil passt oder auf Dienstleistungen wie Personalverwaltung und Buchhaltung zurückgreifen. Eigenständig sollte eine Unternehmensstiftung bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sein – darauf weisen die Empfehlungen ausdrücklich hin. Eine Unternehmensstiftung ist nicht Sprachrohr des Unternehmens und sollte nach außen hin auch nicht so wahrgenommen werden.
Interview mit Dr. Winter im Verbandsmagazin StiftungsWelt.
Magazin StiftungsWelt
www.stiftungen.org