Christoph Selter, Professor an der Fakultät Mathematik der Uni Dortmund und Leiter von „Kinder Rechnen Anders“ (KIRA), über kindliches Denken, guten Mathe-Unterricht und das Zentrum für Lehrerbildung Mathematik der Telekom-Stiftung.
Prof. Christoph Selter während des KörberForums zur „Mathe Misere“ im März 2011 © Körber-Stiftung, Foto: Jann Wilken
Herr Professor Selter, dass Kinder zum Teil sehr kreative Rechenwege zur Lösung von Matheaufgaben nutzen, ist eigentlich nicht neu. War das früher nie Teil der Lehrerausbildung?
Prof. Christoph Selter: Was den Mathematikunterricht angeht, ist das Denken von Kindern noch nicht so lange im Fokus der Lehreraus- und -fortbildung. Dabei ist das Wissen darum, wie Kinder zu Lösungen kommen und warum sie welche Rechenwege nutzen, eine wichtige Voraussetzung, um einen guten Mathematikunterricht zu machen.
Insofern haben Sie mit den im Projektteam erarbeiteten Schulungsmaterialen wichtige Basisarbeit geleistet.
Prof. Christoph Selter: Diese Form der systematischen Zusammenstellung der Materialien ist sicher einmalig. Das Besondere an KIRA ist jedoch, dass wir sehr viele Beispielsituationen mit Kindern analysiert haben. Wir konnten in Videos die Schüler ganz genau beim Rechnen beobachten und dazu befragen. Diese Situationen wurden zu Lehrzwecken multimedial aufbereitet und auch auf der KIRA-Website zur Verfügung gestellt.
Zusätzlich ist das KIRA-Material als DVD produziert worden...
Prof. Christoph Selter: ... mit enormer Nachfrage. Von den 2.000 Exemplaren sind nach einer Woche so gut wie alle vergriffen. Ein großer Erfolg.
Ihr Fazit nach vier Jahren KIRA?
Prof. Christoph Selter: Wir haben ein wichtiges didaktisches Thema erfolgreich aufgegriffen. Allein der Abnehmerkreis unserer KIRA-Materialien ist mittlerweile sehr groß. Das Material wird national und international von 100 Institutionen genutzt – von der Hochschule über Lehrerfortbildungskurse bis hin zu Studienseminaren und Landesinitiativen. Zudem werden die Kira-Materialien über das neu gegründete „Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik“ der Telekom-Stiftung verbreitet. Das Projekt KIRA ist zwar beendet, aber unser Engagement für das Projekt nicht.
Wie könnte so ein Engagement weiter aussehen?
Prof. Christoph Selter: Zum Beispiel können Studierende eine praxisorientierte Masterarbeit über das Denken von Kindern schreiben und so wiederum wertvolles Wissen erarbeiten. Das kann dann weiter auf der Website zur Verfügung gestellt werden, um wiederum andere im KIRA-Bereich zu schulen. Und was die DVD angeht, da könnte ich mir wegen des großen Erfolges sogar eine zweite Auflage vorstellen.
Mehr zum Thema:
Der Projektsteckbrief (PDF)
Kinder Rechnen Anders
Bessere Bildung: Für die Zukunft unserer Kinder
PIK AS - Kooperationsprojekt zur Weiterentwicklung des Mathematikunterrichts an Grundschulen