„Unser Land braucht hervorragend ausgebildete Menschen“

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Professor Wittig, Mitglied des Vorstands der Deutschen Telekom Stiftung und der Stipendiaten Auswahlkommission, über den Willen zur Zukunftsgestaltung, nicht vorhandene Quoten und das Treffen der Nobelpreisträger.

Professor Wittig ©Deutsche Telekom AG

Bonn. Zwölf neue Stipendiaten sind dieses Jahr in die Doktorandenförderung der Deutsche Telekom Stiftung aufgenommen worden: Die sieben Frauen und fünf Männer verteilen sich auf die Fachrichtungen Physik (5), Mathematik (4), Chemie (2) und Informatik (1).
Die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler forschen an den Technischen Universitäten Berlin und München und den Universitäten Bonn, Heidelberg, Karlsruhe, Köln, München und Münster. Professor Sigmar Wittig, Vorstand der Telekom-Stiftung und Vorsitzender der Auswahlkommission, erläutert die Zielsetzung des Programms.

Herr Professor Wittig, was zeichnet die Doktoranden aus, die dieses Jahr ausgewählt worden sind?
Prof. Wittig:
Es sind in erster Linie drei Charakteristika, die die jungen Stipendiaten auszeichnen: Da ist zunächst die herausragende intellektuelle und fachliche Kompetenz, die schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu vielversprechenden Leistungen geführt hat. Zum Zweiten sind breitgefächerte, über das Fachliche hinausgehende Interessen und ein soziales Engagement hervorzuheben. Hier finden wir zum Beispiel eine große Bereitschaft, die vielfältigen Begabungen in die Betreuung der verschiedensten Gruppen einzubringen, oftmals gestützt auf musische, sportliche und sprachliche Interessen.
Hiermit eng verknüpft ist der dritte Aspekt: der Wille zur Zukunftsgestaltung aus den beruflichen Zielsetzungen heraus. Die Vorstellungen bleiben dabei nicht nur im engen wissenschaftlichen Umfeld, sondern sind durchaus auch auf spätere Fertigkeiten in der Wirtschaft gerichtet. Mobilität und Internationalität sind hier nicht nur Schlagworte. Ich bewundere immer wieder die Vielsprachigkeit einer Mehrzahl der Kandidaten, die diese durch Erfahrungen von Auslandsaufenthalten mitbringen.

Wie wählt die Telekom-Stiftung ihre Stipendiaten aus?
Unser zweistufiges Auswahlverfahren ist sehr anspruchsvoll: Die Hochschulleitungen schlagen uns ihre besonders begabten und leistungsbereiten Absolventen in den sogenannten MINT-Fächern, also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, zur Doktorandenförderung vor. Aus etwa 50 Vorschlägen werden in einer schriftlichen Begutachtung 16 Kandidatinnen und Kandidaten zu einer persönlichen Vorstellung eingeladen, von denen abschließend zwölf Kandidaten von einem erfahrenen Kollegium in einer Klausursitzung ausgewählt werden.
Die Entscheidung fällt uns oftmals bei dem ungewöhnlich hohen Niveau der Bewerber außerordentlich schwer. Quoten kennen wir nicht. Dass in diesem Jahr eine größere Zahl von Frauen ausgewählt wurde, ist allein auf deren Qualifikation zurückzuführen.

Warum unterstützt die Telekom-Stiftung den MINT-Nachwuchs in Deutschland durch solch ein Stipendienprogramm?
Es ist weithin bekannt, dass in den MINT-Fächern in Deutschland erheblicher Nachwuchsmangel besteht. Das gilt für Lehrkräfte in den Schulen, für die Wissenschaft wie für die Wirtschaft. Die Telekom-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, entlang der Bildungskette, das heißt vom vorschulischen Bereich bis hin zur wissenschaftlichen Qualifikation, neue Anstöße zur Überwindung dieses Problems zu geben. Hervorragend ausgebildete junge Menschen sind für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands eine zentrale Voraussetzung.

Wir möchten weiterhin einen Beitrag dazu leisten, die Doktorandinnen und Doktoranden bei der Entwicklung ihrer Fähigkeiten zu unterstützen und darüber hinaus beim Start in die berufliche Zukunft zu begleiten. Dabei tragen wir der Tatsache Rechnung, dass Naturwissenschaftler und Ingenieure, von denen es derzeit in leitenden Funktionen zu wenige gibt, nicht nur hohe fachliche Kompetenz beweisen müssen, sondern Zusatzqualifikationen benötigen, die sie bisher in ihrer Ausbildung nicht vertiefen konnten. Im Rahmen unserer Förderung wollen wir ihnen dabei helfen.

Was bietet die Telekom-Stiftung ihren Doktoranden-Stipendiaten?
Neben der großzügigen finanziellen Ausgestaltung des Stipendiums, die in Deutschland einen Spitzenplatz hat, sind vor allem drei Schwerpunkte der Förderung hervorzuheben: Zunächst die Betreuung und Beratung durch die Stiftung. Eine Schlüsselrolle spielt dabei ein Mentor oder eine Mentorin. Mentoren zeichnen sich durch persönliche Erfahrung aus, die in gehobenen beruflichen Positionen gewonnen wurden, und stehen den Doktoranden beratend zur Seite.
Die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen über das unmittelbar Fachliche hinaus ist ein weiteres Angebot, das wir unterbreiten. Ich weiß, dass die Stipendiaten gerade die gemeinsamen Workshops und die Möglichkeiten zum Austausch über die Fachgrenzen hinaus sehr schätzen. Das gilt einerseits innerhalb der Gruppe der Stipendiaten sowie andererseits für die Teilnahme an Tagungen bis hin zum Treffen der Nobelpreisträger in Lindau. Das häufig genutzte Wort von der „Netzwerkbildung“ ist hier angebracht. 
Ich möchte jedoch nicht unerwähnt lassen, dass wir von den Stipendiatinnen und Stipendiaten Engagement für die Stiftung erwarten. In diesem Jahr haben wir daher erstmals in den einzelnen Auswahlgesprächen alle Kandidaten dazu befragt, wie sie sich in die Projektarbeit der Stiftung einbringen können. Sehr gefreut hat uns, dass hierzu zahlreiche Ideen formuliert wurden. Es entstehen langfristige Bindungen, und die Stiftung wird in ihren Alumni herausragende Botschafter finden.

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