Dr. Ignacio Campino, Vorstandsbeauftragter für Klimaschutz und Nachhaltigkeit, über die Interessenskluft zwischen den Nationen, einem Emissions-Bezahlsystem und schnellen Einsatz innovativer Lösungen.
Dr. Ignacio Campino, Vorstandsbeauftragter für Nachhaltigkeit und Klimaschutz der DTAG ©Deutsche Telekom AG
Bonn. Der Erde fällt zunehmend das Atmen schwerer. Die jüngst veröffentlichten Zahlen des US-Energie-Ministeriums schockieren: 33.500 Millionen Tonnen des Klimakillers CO2 wurden im letzten Jahr in die Atmosphäre gepustet. So viel wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit.
Aber wer trägt die Schuld an dieser Überdosis? Hat die internationale Staatengemeinschaft versagt? Hat die Finanzkrise das Thema Klimawandel von der Agenda verdrängt? Es hat sich gezeigt, dass beim Weltklimagipfel Ende November im südafrikanischen Durban Fortschritte schwierig sind.
Die Weltgemeinschaft ist von der Verabschiedung eines Abkommens zur CO2-Reduktion noch weit entfernt. Die Interessen der einzelnen Nationen liegen weit auseinander. So ist das Streben der weniger entwickelten Länder nach Wohlstand und Entwicklung berechtigt, dies muss aber klimaschonend erfolgen. Andererseits sind die entwickelten Länder aufgefordert, Emissionen zu reduzieren. In Durban ist kein Abkommen erwartet worden, aber zumindest das Mandat aller Staaten, bis 2015 ein globales Abkommen zu erarbeiten. Bis dahin soll das Kyoto-Protokoll mit dem in Cancun verabredeten Ziel einer CO2-Reduktion von 20 Prozent weiter gelten. Wir brauchen nicht nur den politischen Willen, sondern auch Innovation auf breiter Front, um im Ideenwettbewerb die besten Lösungen zu finden.
Die Telekom war in Durban präsent. Im Netzwerk der Global e-Sustainability Initiative (GeSI) wurden IKT-basierte Lösungen zur Reduktion der CO2-Emissionen und zur Steigerung der Energieeffizienz vorgestellt. Die Botschaft war und ist: Klimaschutz ist machbar und spart Kosten!
Darüber hinaus gibt es viele weitere Ansätze. Auch die Telekom nimmt an diesem Ideenwettbewerb teil: Mit Pilotprojekten, z. B. in Shanghai und Peking, legte die Telekom in einer Allianz mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) den Grundstein für ein Emissions-Bezahlsystem. Die Idee: Der Fahrer zahlt für das, was er auch tatsächlich an CO2 verursacht. Er kann über eine Mobilfunk-Lösung jederzeit seinen aktuellen Schadstoffausstoß prüfen und damit sein Fahrverhalten anpassen.
Ganze 40 Prozent CO2 will die Telekom in Deutschland von 1995 bis 2020 durch neue Technologien und Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz einsparen. Mit unseren Diensten wollen wir einen Beitrag dazu leisten, damit unsere Kunden ihre CO2-Emissionen senken können. Intelligente Stromzähler (Smart Meter) werden dabei verstärkt zum Einsatz kommen.
Bis 2022 sollen 40 Millionen Haushalte in Deutschland über einen intelligenten Stromzähler verfügen. Sie sind die Basis für eine bedarfsgerechte Energieversorgung (Smart Grid), so dass private Haushalte und Industriebetriebe ihre Geräte individuell steuern können (Smart Home). IT-Industrie, Energieversorger als auch die öffentliche Verwaltung müssen sich dabei eng verzahnen, um eine Infrastruktur zu schaffen, in der innovative Lösungen zeitnah zum Einsatz kommen können.
Eine vielversprechende Stellschraube ist die Energieeffizienz bzw. das Energiesparen. Nach der Studie SMART 2020 Deutschland können 25 Prozent der Emissionen bis 2020 mit IKT-Lösungen vermieden werden. Darin liegt ein Geschäftsvolumen von 84 Milliarden Euro. Allerdings sind dafür verbesserte Rahmenbedingen erforderlich. Auch der Einsatz regenerativer Energien muss stetig ausgebaut werden, so dass Deutschland seiner Rolle als globales Leitbild auf dem Weg hin zur Energiewende gerecht wird. Das wird Geld kosten, aber mit energiesparenden Produkten kann ein Ausgleich geschaffen werden. Und das ist dann keine Frage der Ökonomie, sondern eine Frage der Existenz, denn der Klimawandel ist bereits heute Realität.
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