Nachhaltigkeit ist Chefsache.
10 Fragen. 10 Antworten. Mit René Obermann.
Bei der Telekom wurde das Thema Nachhaltigkeit zur Chefsache erklärt und das Changemaker-Manifest von Utopia.de, der Internetplattform für nachhaltigen Konsum, unterzeichnet. Mit René Obermann hat sich der erste Vorstandsvorsitzende eines Dax-Unternehmens den Fragen der Utopia-Community gestellt. Der komplette moderierte Live-Chat zum Nachlesen.
Hallo Herr Obermann, glauben Sie persönlich daran, dass der menschengemachte Klimawandel noch begrenzt/gestoppt werden kann?
René Obermann: „Ja, immer mehr verstehen die Bedeutung und in der Wirtschaft wird man langfristig besser stehen, wenn man den Nachhaltigkeitsprinzipien folgt. Außerdem haben wir keine Alternative, sondern müssen es optimistisch angehen und was tun.“
Warum benutzt die Telekom keinen Ökostrom von einem der vier reinen Ökostromanbieter?
„Das Thema ist komplex. Wir haben keinen einzelnen Stromanbieter. Wir beziehen den Deutschland-Mix mit rund 17 Prozent Ökostrom. Der Strom kommt hauptsächlich aus bestehenden Wasserkraftwerken, perspektivisch wollen wir den Ökostromanteil steigern. Hierfür beobachten wir Technologieentwicklungen wie die Brennstoffzelle, Blockheizkraftwerke und Geothermie. Allerdings gleichen wir schon seit längerer Zeit sämtliche Energieemissionen im Inland durch sog. RECS-Zertifikate aus.“
Wie stehen Sie zum aktuellen Thema Green IT?
„Unser Thema! Wir bauen und bieten Lösungen für unsere Kunden an: Cloud Computing (mit dynamischer Ressourcenallokation und damit besserer Auslastung der Rechner), Dematerialisierung bei Aktenverwaltung, Smart Metering etc. Das ist wirklich ein weites Feld und sehr strategisch für uns.“
Wie lässt sich der massive Ausbau Ihrer Mobilfunknetze und WLAN-HotSpots mit Nachhaltigkeit vereinbaren?
„Sicherheit und Umweltverträglichkeit haben für uns höchste Priorität, wir stützen uns auf Expertenurteile der anerkannten Gremien (z.B. WHO). Das gilt auch für WLAN, alle unsere Produkte und unsere Mobilfunknetze halten die Grenzwerte und Sicherheitsstandards ein. Außerdem unterstützen wir die Forschung, um weitere Klarheit darüber zu bekommen.“
Wie lässt sich Shareholder-Value mit Nachhaltigkeit vereinbaren?
„Langfristig sehr gut. Weil es die Gesellschaft und auch die Kunden fordern und ich glaube auch honorieren, jedenfalls zunehmend.“
Nachhaltigkeit als Chefsache – bedeutet das, dass in den Vergütungen des Managements das Erreichen von konkreten Nachhaltigkeitszielen (z.B. Reduzierung der CO2-Emissionen) verankert ist?
„Nachhaltigkeit darf nicht käuflich sein. Manager, die bei uns Karriere machen wollen, müssen sich auch ohne Sonderbelohnung für eine nachhaltige Unternehmensführung einsetzen. Die Nachhaltigkeitsziele werden schließlich gemessen, z.B. im SRI-Rating oder bei der CO2-Reduktion.“
Wie stellen Sie sicher, dass Nachhaltigkeit auch bei den Mitarbeitern verankert ist?
„Durch Werte, die allen bekannt sein müssen, durch interaktive Tools, z. B. E-Learning, durch Handeln wie z. B. CO2-freie Dienstreisen, durch gezielte Fahrtrainings zur Schadstoffreduktion, durch Umstellung unserer Fahrzeugbestände (ca. 30.000 allein in Deutschland) auf geringeren Ausstoß (langfristig 110 Gramm pro Kilometer im Durchschnitt) und durch Programme wie z.B. Corporate Volunteering.“
Ist ihre Beteiligung nur Teil einer Imagekampagne oder seriös? Ich vermute eher Ersteres, wenn ich betrachte, wie sich das Betriebsklima und die Arbeitsbedingungen kontinuierlich verschlechtern. Radikale Maßnahmen gegen das eigene Personal und Nachhaltigkeit – passt das zusammen?
„Ihre Darstellung passt nicht zu meiner Wahrnehmung unseres Klimas. Selbst wenn Sie mit kritischen Leuten, z. B. von Ver.di oder aus dem Betriebsrat, reden, werden Sie ein viel differenzierteres Bild bekommen. Wir handeln sehr sozialverträglich und bieten bessere Arbeitsbedingungen als viele andere, außerdem bilden wir mehr als 10.000 junge Leute aus, stellen neu ein und unterstützen soziale Projekte und investieren in Bildung, auch bei denen, die es schwerer haben.“
Wie stehen Sie persönlich und privat zum Thema Nachhaltigkeit?
„Ich achte auf eine energieeffiziente Nutzung von Geräten, nehme nicht für jeden Weg das Auto und fahre auch selber kein allzu großes Auto mehr, sondern achte auf den Verbrauch und CO2-Ausstoß. Außerdem engagiere ich mich für soziale Belange z. B. im Bereich der Jugendarbeit.“
Verlieren Sie manchmal die Geduld, weil es so lange zu dauern scheint, um wirkliche Veränderungen in einem großen Unternehmen wie der Telekom umzusetzen?
„Ja, aber dann gehe ich an die frische Luft und besinne mich wieder auf die vielen guten Seiten, die unsere Firma zu bieten hat, besonders unsere tollen Leute!“
Den vollständigen Live-Chat mit René Obermann finden Sie zum Nachlesen unter www.utopia.de.










